Alle 10 Jahre: MEUTEREI AUF DER INSEL
Einwohnerversammlungen und Bürgerengagement
haben auf der Elbinsel

eine lange und erfolgreiche Tradition

Nach der Flut 1962 hatte der Hamburger Senat geplant, Wilhelmsburg zu evakuieren und zum Industriegebiet werden zu lassen. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen konnte 1977 Wilhelmsburg endlich wieder als Wohnstandort gesichert werden.
1973 wurde die Trasse für die eine Güterumgehungsbahn im Flächennutzungsplan aufgenommen. Sie sollte von Maschen durch das Naturschutzgebiet Heuckenlock, Moorwerder und die Vier- und Marschlande laufen. Mit großen Versammlungen und Treckerdemonstrationen konnte diese katastrophale Fehlentscheidung verhindert werden. Der Güterverkehr konnte auf dem vorhandenen Bahnkörper untergebracht werden.

1984: mit 2 großen Einwohnerversammlungen in der Pausenhalle der Dratelnstraße
(einmal mit den Senatoren Curilla und Kuhbier und mit dem
Bürgermeister v. Dohnanyi am 17.1.84.) wurde der Senat zu einer nachhaltigen Sanierung der dioxinverseuchten Mülldeponie Georgswerder gedrängt. Er verspricht , auf den Bau einer Hafenquerspange zu verzichten und setzte die Anregung zu einem Internationalen Dioxin-Symposium um, schloss daraufhin die Firma Boehringer in Moorfleet und machte die Deponie zu einer der bestsanierten in ganz Deutschland.

Bürgermeister v. Dohanyi verspricht: keine Autobahn!  Plakat zur Einwohnerversammlung 1994
Veranstaltung mit Senator Fritz Vahrenholt

1994 konnte der Senat vor einem erneuten Schildbürgerstreich bewahrt werden: Ausgerechnet der müllbelastete Stadtteil Wilhelmsburg sollte Standort einer Müllverbrennungsanlage werden. Weil sie mit ihren Argumenten kein Gehör mehr beim Senat fanden, luden alle Fraktionen des Ortsausschusses Wilhelmsburg am 16. Februar zu einer Einwohnerversamm-lung ein. Im überfüllten großen Saal des Bürgerhauses wurde dem damaligen Umweltsenator Fritz Vahrenholt (16.2.94.) die ablehnende Haltung Wilhelmsburgs unmissverständlich deutlich gemacht. Nach mehreren Montagsdemonstrationen u.a. mit Blockade aller großen Autobahnbrücken lenkte der Senat schließlich ein.

1995/96 folgten eine Reihe weiterer Einwohnerversamm- lungen, die so nützliche Senatsentscheidungen wie der sog.
„3-Millionen Topf“ (aus dem unter anderem die Windmühle Johanna saniert wurde), die Aussetzung der Fehlbelegungs- abgabe (nach der 7. Einwohnerversammlung mit  Bürgermeister Henning Voscherau am 25.3.96.) und die Entstehung des Beirats für Stadtteilentwicklung befördert haben.

Einwohnerversammlung mit Bürgermeister H. Voscherau
Fazit: Hartnäckiges und z.T. unbequemes Wilhelmsburger Bürgerengagement hat die Elbinsel als lebenswerten Wohnstandort gesichert, mehrfach den Senat vor folgenschweren und nicht wieder gut zu machenden Fehlentscheidungen bewahrt und mit dem Programm vom „Sprung über die Elbe“ ins Zentrum von Hamburgs Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert gerückt.

Die Fehlentscheidung dieses Jahrzehnts ist die Hafenquerspange:
Autobahnen werden als Umgehungsstraßen um Städte herum und nicht durchs Herz der Stadt geführt. Eine Containerautobahn quer durch den Spreehafen, in Hochlage vor den Wohngebieten am Reiherstieg ist ein verheerendes Signal für die Wohnstandorte Wilhelmsburg und Veddel.
Es ist wieder an der Zeit, dem Senat nachdrücklich auf die Sprünge helfen. Wir schlagen dazu eine „Internationale Ideen- und Planungskonferenz Transport und Verkehr“ im Jahre 2007 in Hamburg vor. Diese sollte unter Berücksichtigung internationaler Erfahrungen Alternativen zu der veralteten Planungsidee einer Container-Autobahn im Zentrum Hamburgs prüfen und entwickeln. Dabei ist u.a. darauf hin zu arbeiten, wie eine Ertüchtigung der bisherigen Verkehrstrassen (Waltershofer Kringel an der A7 im Westen und Einfädelung an die A1 im Osten), der Einsatz anderer Verkehrsmittel wie Bahn und Schiff sowie neuartige Transportsysteme eine Hafenautobahn entbehrlich machen können. Bis zur sachgerechten Aufarbeitung des Themas werden die Vorbereitungen zur Realisierung einer Hafenquerspange ausgesetzt (Moratorium).
(Weitere Argumente in einer Pressemitteilung des Vereins Zukunft Elbinsel)

Alle 10 Jahre eine katastrophale Senatsentscheidung, die die Zukunft der Elbinsel bedroht?
Alle 10 Jahre
eine Herausforderung für die Vitalität bürgerschaftlichen Engagements und Widerstandes!

Der „Große Ratschlag“ bei der Einwohnerversammlung am 2. Februar 2006 könnte ein erneuter Anfang sein.

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